Freitag, 3. Juli 2009

Aus dem Nähkästchen

Ich muss doch der Welt etwas hinterlassen! Irgendetwas von mir muss doch bleiben!
Kinder in die Welt setzen? Ein Buch schreiben? Etwas erfinden? Musik machen? Gutes tun?

Da gibt es eine Geschichte, in der lief es so ab:
"In meinem Leben drehte es sich nur darum, wie ich sein muss, was ich tun muss; und diese ganze Sache von wegen "der Nachwelt etwas hinterlassen" war der Antrieb, mich darauf einzulassen, also habe ich versucht, mich zu verbiegen.
Dann kam die Enttäuschung, dass ich es nicht hinbekommen habe und wohl auch nie hinbekommen werde. Und mit der Enttäuschung kam der Glaube, das wäre ein Nachteil für mich. So versuchte ich, das Unmögliche weiter wahr zu machen.
Aber nach und nach begann ich die Vorstellung zu genießen, dass das alles gar nicht wahr ist, nämlich dass ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen muss, dass ich mich abmühen muss, um erfolgreich zu sein, dass ich mich aufopfern muss, um angebliche Verpflichtungen einzuhalten, dass ich nicht so sein darf wie ich bin, weil ich dann nicht meiner Verantwortung ausreichend nachkomme.
Ich fing an, diese Vorstellung zu lieben. Und alles, was bestätigte, dass all dieses tatsächlich nicht wahr ist, sorgte für eine Erleichterung und Fröhlichkeit in meiner Gefühlswelt, die mit keinem Event und mit keiner Wunscherfüllung aufzuwiegen ist.
Nichts davon ist wahr! Welch ein Glück für einen wie mich, der schier erstickt ist an der Angst, es könnte wahr sein.
Der Genuss eines nahezu angstfreien Lebens ist nur möglich, wenn man Angst durch und durch erlebt hat, um schließlich zu sehen, dass jeglicher Grund dafür nur eine Lügengeschichte ist.
Echt cool!

Kommentare:

  1. ja, nach dem einen Schritt in den Abgrund merkt man, da war gar kein Abgrund.
    Aber...ohne die Illusion des Abgrunds, kein Schritt...kein merken...ohne Illusion kein...ohne ...........
    Alles richtig!

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  2. Gut auf den Punkt gebracht! :-)

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